Salon Dahlmann

01. - 31. Mai 2014

Bahar Oganer
'GREENER PASTURES'

kuratiert von Gisela Winkelhofer

Bahar Oganers Bilder sind wie Fenster, die die Künstlerin aus ihrer inneren Welt nach draußen öffnet und durch die sie gemeinsam mit dem Betrachter schlüpfen möchte. Die Figur, die aus dem Fenster nach draußen blickt, sich in fernen Horizonten verliert oder in ein Buch vertieft, dient Oganer als Symbol für die zerbrechliche, durchlässige Grenze des Individuums zwischen Innen- und Außenwelt. Die Frau, die sich aus der realen in eine Traumwelt zurückzieht, ist erfüllt von wehmütiger Romantik und einer tief empfundenen Sehnsucht nach dem Unbekannten. Sie befindet sich nicht dort, wo sie zu sein scheint. Und sie zwingt uns dazu, mit ihr auf die Reise zu gehen in jene geheimnisvolle Welt, mit ihr zu empfinden, ihre Träume mitzuträumen und ihre Geschichte anzuhören. Dass die Bilder sich nicht geographisch oder kulturell festmachen lassen, erleichtert uns das Einfühlen. Der Betrachter, der quasi nur einen Schritt hinter der Figur steht, wird in die Gedankenwelt der Künstlerin einbezogen, um sich dann mit ihr wieder zusammen den eigenen Horizonten zuzuwenden.

Greener Pastures, der Titel der Ausstellung, was soviel bedeutet wie „ein besserer, anregenderer Platz zum Wohnen, Arbeiten oder Leben”, ist nicht zufällig gewählt. Trotz ihrer tiefen Melancholie sind diese Kompositionen voll von jenem kindlichen Geist, der nicht verloren gehen darf, voll aufrichtiger Hoffnung auf das, was kommen wird. Auch wenn die kunterbunt gekleideten, lustigen Figuren, die Oganers von kräftigen Farben umschlossenen Raum bevölkern an erdichtete, märchenhafte Figuren wie aus Alice im Wunderland, Peter Pan oder Dorothy aus Der Zauberer von Oz erinnern, gehören sie in eine reale Welt. Die von der Künstlerin verwendeten Formen und Farben, die sich im Stil an Illustrationen anlehnen, betonen diese optimistische Stimmung.

Obwohl eng verwandt mit Illustrationen verlieren Oganers Werke dank ihrer handwerklichen Finesse ihre Gemäldehaftigkeit nicht. Oganer, die ihren Figuren nicht einmal ein Gesicht geben mag, verwendet das Detail als ästhetisches Element in ihren dekorativen Mustern. Der wichtigste Bereich, in dem sie dem Muster eine begriffliche Bedeutung auflädt, sind die Strümpfe der Figur. Auch wenn nicht auf den ersten Blick erkennbar, geben diese mehr Anhaltspunkte zu der bunten, begeisterten Persönlichkeit der Figur als ihr Gesicht. Sie drücken den Charakter, die Leidenschaften und die angesichts der Grausamkeit der realen Welt häufig eingebüßte, aber immer wieder neu entflammbare Lebensfreude aus; Lust und Leid existieren hier miteinander.

Das Ausstellungskonzept ist ganz von den Örtlichkeiten inspiriert. Die großformatigen Bilder, die als Markenzeichen Oganers gelten und jedes wie ein Fenster wirken, werden im Wechsel mit den breiten Fenstern des Salon Dahlmann präsentiert. Jedes Bild erscheint wie der überdimensionierte Buchdeckel zu einem in der Mauer versteckten Buch und vermittelt das Gefühl, dass uns hinter dem Buchdeckel eine lange Geschichte erwartet. Dagegen treffen wir in dieser Ausstellung zum ersten Mal auf eine Serie kleinformatiger Portraits, die die Künstlerin in Nähtechnik auf Stoff gearbeitet hat, der über einen Holzrahmen gespannt ist. Hier stehen Betrachter und Figur einander direkt gegenüber. Diese Portraits, die in Material, Format und Technik vollkommen vom Bekannten abweichen, zeigen reale Menschen aus Oganers Leben. Im Nebeneinander mit den bisherigen Werken unterstreichen sie die „weibliche“ Identität besonders und markieren gleichzeitig einen Wendepunkt im Schaffen der Künstlerin. Der Kontext, den Oganer in ihren bisherigen Werken sorgfältig vermieden hat, steht in dieser Serie im Vordergrund: das autobiographische Gedächtnis der Künstlerin und die weiblich betonte Handarbeit sind Motive, die Neugier auf die weiteren Werke der Künstlerin machen.

Greener Pastures verspricht ein gleichzeitig melancholisch-leidvolles und hoffnungserfülltes Kunsterlebnis und verbindet Bahar Oganers bisheriges Schaffen mit Ausblicken auf ihre künftige Entwicklung.

 

BAHAR OGANER geboren 1980 in Ankara lebt und arbeitet in İzmir

Ausbildung

2003-2008 Universität Dokuz Eylül, Fakultät für Bildende Kunst, Studium der Malerei

Programme für Gastkünstler

2010 Workshop-Künstlerin, Cité Internationale des Arts, Paris

Einzelausstellungen

2012 "Dreamland", Dirimart, Istanbul
2011 "Gizli Bahçe - Der geheime Garten" (mit Ozan Oganer), Alan Istanbul
2009 "Kristal", Dirimart, Istanbul
2008 "Rüya - Dream", Dirimart, Istanbul

Gruppenausstellungen

2014 “Kağıdın Ruhu – Der Geist von Papier”, Alan İstanbul
2013 “İmgenin İdeolojisi – Die Ideologie der Vorstellung”, Kurator: Efe Korkut Kurt , Alan İstanbul
2012 “Karşılaşmalar - Begegnungen : Moderne türkische Kunst in Korea”, Seoul, Südkorea
  “Kim gitti? Geriye ne kaldı? - Wer ging? Was bleibt?”, Ankara Çağdaş Sanatlar Merkezi Ankara
  "Various Artists: Turkish Contemporary Art", Artspace Gallery, London
  “Otoportre - Selbstportrait”, Alan İstanbul
2010 "Popartist", Alan İstanbul
  “Türkische Kunst der letzten 60 Jahre: Sammlung Hüma Kabakçı”, Modern Hungarian Gallery, Pécs , Ungarn; Museum für Moderne Kunst, Goslar; Osthaus Museum, Hagen, Deutschland
  “Istanbul Cool: Turkish Contemporary Art at Close Proximity”, LTMH Gallery, New York
  “Kaotik Metamorfoz - Chaotische Metamorphose”, Projekt 4L, Elgiz Museum, İstanbul
  "Dirimart Presents III", Dirimart, İstanbul
2009 “28. Istanbuler Ausstellung Zeitgenössischer Künstler”, Akbank Sanat, İstanbul
  “Plastic Tree Vol.III”, Kurator: Ekrem Yalçındağ, Dirimart, İstanbul
  "Dirimart Presents II", Dirimart, İstanbul
  "Dirimart Presents I", Dirimart, İstanbul
2007 “Küçük Jestler/Yeni Öyküler - Kleine Gesten/ Neue Geschichten”, Koridor Galeri, İzmir
  “Asit ve Toz Sergisi - Säure-und Staub- Ausstellung”, K2 Contemporary Art Center, İzmir
2006 “Bela Arama Motoru - Die Unheil-Suchmaschine”, Koridor Galeri, İzmir

Ausgewählte Sammlungen
Sammlung Museum Elgiz, Istanbul
Kunstsammlung Papko, Istanbul
Sammlung Hüma Kabakci, Istanbul
Sammlung Museum Istanbul Modern, Istanbul

 

 

Eröffnung: 30. April, 18 - 21 Uhr

Öffnungszeiten: Samstags 11-16 Uhr und nach Vereinbarung

Während Gallery Weekend von Donnerstag, 1. Mai bis Sonntag, 4. Mai, 11-18 Uhr

 

Im Rahmen der Nachtschicht 2014 Berlin Design Night @ TRIAD Berlin
öffnet Salon Dahlmann am Freitag, den 30. Mai 2014 seine Türen von 19 bis 24 Uhr.