Salon Dahlmann

13.06. - 23.08.2014

Gordon Matta-Clark and Beyond
Space Interventions

Kuratiert von Heike Fuhlbrügge

 

Künstler: Gordon Matta-Clark (USA), Alvar Aalto (Fl), Thomas Scheibitz (D), Katja Strunz (D), Jussi Niva (Fl), Dan Graham (USA), Sarah Oppenheimer (USA), Jeroen Jacobs (NL), Charlotte Posenenske (D), Vera Kox (L) und Wolfgang Tillmans (D)

 

Ein quasi definierter Raum wie der klassische „Salon“ bietet die Grundlage, über Raum als soziale Plattform nachzudenken. Welche Wandlungen durchlaufen Vorstellungen von Räumen? Am weitreichenden Begriff des spatial turn lässt sich eine Antwort ermessen. Seit Ende der 1980er-Jahre wird Raum als kulturelle Größe begriffen. Lange nachdem 1967 Michel Foucault dieses Thema in seinem Text „Von anderen Räumen“ analysierte. Diese Wende ist dadurch definiert, dass fortan nicht mehr allein Zeit im Zentrum kulturwissenschaftlicher und künstlerischer Untersuchungen steht, sondern nun das Interesse auch auf den Raum und seine soziale Dimension gelenkt wird.

 

Welche Ideen lassen sich in der zeitgenössischen Kunst dazu finden? In welchen Medien der Kunst finden sich die Auseinandersetzungen mit Raum? Und wie radikal werden sie umgesetzt?

 

Wie wenige Künstler seiner Generation hat der Amerikaner Gordon Matta-Clark (1943 – 1978) die Grenzen zwischen Kunst, Raum-Skulptur und Architektur artikuliert. Seine Eingriffe und Interventionen in Gebäude, seine Verwendung des Mediums Video und Film, sowie die Arbeit mit Sprache wirken bis heute auf Überlegungen zu Raumauffassung, Architektur, Kunst und soziale Plattform nach.

 

Als Ausgangspunkt eines Dialogs gedacht, zeigen die Filmaufnahmen im Video „Office Baroque“ (1977) von Matta-Clark, wie er die Strukturen eines Hauses freilegt und im performativen Akt sich Architektur in Skulptur verwandelt. Wie später Dan Graham (*1942), hier vertreten mit der Arbeit „Pyramide“ (1999), wendete er sich damals gegen einen ins Leere laufenden utopisch aufgeladenen Begriff des Modernismus. Die Idee war, „Gebäude in ihren Urzustand zurück zu führen, die Seele des Hauses frei zu legen“. Graham und Matta-Clark wollten Räume durch Verspiegelungen oder sog. „cuttings“ zugleich öffnen und geschlossen halten, und damit die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum aufheben. Vorbild dafür war unter anderen der finnische Architekt Alvar Aalto (1898-1976), der seit 1940 als Professor für Architektur am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge lehrte.

 

Die von ihm entworfene Bibliothek in Vyborg (1927-1933) – ein Model ist in dieser Ausstellung als großzügige Leihgabe des Alvar Aalto Museums in Jyväskylä zu sehen - gilt als eines seiner Hauptwerke. Alto entwickelte, ausgehend vom Neoklassizismus und Rationalismus, einen unverwechselbaren eigenen Stil, der funktionale und expressive Momente verschmelzt und dabei den Menschen und seine Bedürfnisse immer in den Mittelpunkt stellt.

 

Wie radikal Ideen zum Raum auch in Medien wie Fotografie, Malerei und Skulptur umgesetzt werden, zeigen die hier ausgewählten Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler. Wolfgang Tillmans (*1966) große, ungegenständliche Serien, wie etwa "Lighter" aus den Jahren 2006 bis 2008 ist eine Reihe von belichteten, verschiedenfarbigen Fotopapieren, die durch Knittern und Falten fast zu Skulpturen werden. Die Arbeiten „Lighter 69“ (2008) und „Lighter 74“ (2008) sind prägnante Beispiele daraus. Auch Katja Strunz’ (*1970) Material-Faltungen formen Raum: Ihre Arbeiten „Zitelose“ (2005), „Viel Raum, wenig Zeit“ (2013) und auch die Collage aus dem Jahr 2014 versteht sie als Verdichtungen und Bruchstellen.

 

Sarah Oppenheimer (*1972) wiederum setzt sich in ihrem Werk mit Blickachsen und architektonisch vorgegebenen Gewohnheiten auseinander, die sie mit ihren „Holes/Öffnungen“ dekonstruiert. Jeroen Jacobs (*1968) Beton-Arbeiten lassen Zwischenräume sichtbar werden, Vera Kox (*1984) Objekt „Knätsch“ (2014) bezieht sich auf Raumdehnungen. Die fünfteilige Arbeit „John Dodona Rocket II“ (2010) von Thomas Scheibitz (*1968) bewegt sich auf der Grenze zwischen Malerei, Skulptur und Architektur. Wie ein Fries verstanden, spannt die Malerei die Türöffnung mit ein. Die Malerei erweitert Scheibitz’ skulpturalen und architektonischen Ansatz und umgekehrt. Er arbeitet mit einem über die Jahre aufgebauten Archiv an visuellem Material, das er fotografisch erstellt und auch in verschiedenen Medien wie Zeitschriften, Comics oder Film findet oder aus den Bereichen wie Architektur und Design, sowie Wissenschaft und Popkultur extrahiert. Aus diesem Bilderfundus kreiert er durch Aufschlüsselung und Analyse ein System von geometrischen und organischen Doubles und Denkformen, mit dem er die visuelle Kultur der Gegenwart reflektiert.

 

Völlig los gelöst und gegen jede Einteilung der Künste arbeitete die deutsche Künstlerin Charlotte Posenenske (1930-1985). Die Faltung, hier eine autorisierte Rekonstruktion von 1967, verstand sie als Zwitter zwischen Bildfläche und Objekt. Entgegen Raumerschaffung wiederum scheint der finnische Künstler Jussi Niva (*1966) in seinen Ölbildern mit der Auflösung des Bildraums, wie in „Foldaway“ (2014), zu arbeiten. Dass er sich jedoch stets auf der Schwelle zur Skulptur mit seinen Arbeiten bewegt, zeigen die frühen Beispiele seiner Auseinandersetzung mit Raum-Elementen, wie in den Arbeiten „Measurements of Space (Stage)“ (1991) und „Exposé #13 &apm; #14“ (1996).

 

 

16.07.2014, 19 Uhr
Vortrag: Marc Glöde zu Gordon Matta-Clark

 

Eröffnung: 13.06.2014, 20 - 22 Uhr
Laufzeit: 13.06. - 23.08.2014