Salon Dahlmann

16. März – 14. April 2013

Robert Lucander:
die Waende 5.0

Salon Dahlmann freut sich, die Ausstellung „Robert Lucander: die Waende 5.0“ präsentieren zu können. Die Ausstellung konzentriert sich auf die frühen, abstrakten Arbeiten des finnischen Künstlers aus den Jahren von 1992 bis 1997, die nun zu großen Teilen erstmals in Berlin zu sehen sein werden.

kuratiert von Katharina Schlüter

Robert Lucander (geb. 1962 in Helsinki), der von 1989–1995 an der Berliner Hochschule der Künste studierte, widmete sich in dieser Zeit vor allem der kritischen Auseinandersetzung mit der modernen Malerei des Konstruktivismus von Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch. Für Lucander war die Auseinandersetzung mit diesen Künstlern und ihren Haltungen im Spannungsfeld von Figuration und Abstraktion besonders fruchtbar. Lucander experimentierte mit Farben und Techniken auf neuen Malgründen und zeigte sich inspiriert von Künstlern wie Blinky Palermo oder Gerhard Richter, welche seit den 1960er-Jahren die moderne Formensprache weiterentwickelten. Es entstanden malerische Experimente, bei denen Lucander mal die Farbe aus einer Gießkanne auf den Untergrund goss, mal an den schon geometrisch angelegten Farbfeldern Kratzspuren hinterließ. Als Malmittel entdeckte er früh Industrielackfarben der Farbsysteme RAL und TGL aus deutscher West- und Ostproduktion für sich, als Untergrund begann er Holz- und Metallplatten zu benutzen, die er in DIN A-Formate zuschneiden ließ. Lucander interessierte an diesen Materialien und Formen das industriell Vorgefertigte, das er in seinen Arbeiten durchbrach, indem er dem Zufall Raum gab und die selbst gesetzten Normen befragte und überschritt.

In Auseinandersetzung mit Blinky Palermos Werk „Straight“, 1965 entstanden so Arbeiten wie „das gab es früher schon“, 1993 oder „geradeaus“, 1993, für die der Künstler die Farblinien goss und die fertigen Werke an der Wand lehnend präsentierte. Lucander verwendete für diese Arbeiten Farben sowohl aus Ost- wie Westproduktion und verwies so auch auf den historischen Kontext der Wendezeit. Berlin als geteilte Stadt war ein prägender Einfluss, der sich damals wie heute in der Faszination für Motive der Doppelungen oder Spiegelungen in seinen Werken zeigt. Zugleich untermalte Lucander mit der raumbezogenen Präsentation seine konzeptuelle Haltung gegenüber der Malerei. In Arbeiten wie „So ist es immer“, 1995, ein zweiteiliges, geometrisches Gemälde auf Zink, das in einer Raumecke gezeigt wird, verdeutlicht sich die intensive Auseinandersetzung Lucanders mit dem Thema des Verhältnisses von Malerei zum Raum zu dieser Zeit.

Denn Lucander interessierte eben nicht die malerische Behandlung einer Fläche, sondern er stellte in seinen Werken Fragen nach den Bedingungen und Grenzen des Mediums Malerei. So entstanden aus Leinwänden Objekte, indem der Künstler zwar die Leinwandvorderseiten bemalte, dann aber den Keilrahmen mit den Farbspuren als Untergrund für das jeweilige Werk nutzte. Das Thema der Farbexperimente manifestierte sich unter anderem auch in dem Verwenden von Farbskalen als Motive für diese Werke.

Zwei weitere wichtige Bezugsgrößen für Robert Lucanders Werke sind Schrift und Musik. Lucander war ein langsamer Leser, der sich den Text erschloss, indem er die Schrift als Muster erkannte. Eine Form visueller Aneignung, die zum einen den eigenwilligen Blick eines Künstlers zeigt und zum anderen in der geometrischen Formensprache früher Arbeiten sichtbar wird – in den drei in der Ausstellung präsentierten „Schriftbildern“ sogar explizit. Auch das Hören von Musik hat bis heute eine zentrale Bedeutung für den Künstler, den Töne auch als räumliche Qualitäten interessieren. Indem er 1995 die Ausstellung, in der er das Motiv der Schallplatte in den Mittelpunkt stellte, „Stereo“ nannte, transportierte er dieses räumliche Verständnis von Tönen. Inspiriert von seiner großen Musik- und Zeitschriftensammlung entstanden ab 1995 dann auch erste Werke, welche abstrahierte Motivdetails aus diesen Vorlagen verwendeten – ein Themenfeld, das Lucander bis heute in seinen seit 1996 entstehenden figürlichen Arbeiten behandelt. Lucanders Werke sind somit immer auch Verknüpfungen in die Zukunft, die durch die kontinuierliche Beschäftigung mit Motiven der Spiegelungen und Doppelungen, Schrift und Text sowie Reduktion und Abstraktion miteinander in Verbindung stehen.

Robert Lucanders frühe Werke verfügen vor allem aber auch ob der raumbezogenen Präsentationsform, dem Einbeziehen historischer Kontexte und dem „Hang zum Ungenauen“ in der experimentellen Bearbeitung malerischer Konzepte über eine erstaunliche Aktualität. Es wird spannend sein zu sehen, welche Bezüge sich aus heutiger Perspektive zu diesen frühen Werken herstellen lassen.

Dauer der Ausstellung: 16. März – 14. April 2013