Salon Dahlmann

20.01. - 24.03.2018
Eröffnung: Samstag, 20. Januar, 18 Uhr


KILLING ME SOFTLY
WORKS FROM THE MIETTINEN COLLECTION

Peppi Bottrop, André Butzer, Katharina Grosse, Peter Halley, Secundino Hernández, Sergej Jensen, Ola Kolehmainen, Matti Kujasalo, Antti Laitinen, Niko Luoma, Hans-Jörg Mayer, Bjarne Melgaard, Jussi Niva, Albert Oehlen, Constantin Schroeder, Jana Schröder, Brigitte Waldach, Grace Weaver, Ulrich Wulff



I heard he paints fine pieces, I heard he had a style, and so I came to see his pictures and watch them for a while. And there he was this artist, a stranger to my eyes – Strumming my pain with his fingers, painting my life with his brush, killing me softly with colors, Killing me softly with colors, telling my whole life, with his brush, killing me softly with his piece.

 

Der von Diederichsen postulierten Verwandlung der Künstler in personenförmige Kunstwerke, die in den Werken von Jensen, Melgaard, Mayer oder Butzer in radikal subjektive künstlerische Positionen mündet, führt auf Seiten des Sammlers zu einem gleichartigen Prozess der Subjektivierung. Sammeln folgt innerhalb eines radikal subjektiven Paradigmas nicht länger Genres oder thematischen Kategorien, innerhalb derer die SammlerIn im Bereich Video, Eco-Art oder Post-Internet unterwegs ist.


Das Fehlen Orientierung gebender Karten und Topographien führte in den vergangenen Jahren zu einer zunehmenden Prominenz und Sichtbarkeit der Person des Sammlers selbst. Selbst das Wesen bereits vorhandener, noch nach den Konstruktionszeichnungen früheren Sammelns entworfener Sammlungen erschließt sich heute nur noch dann, wenn die subjektiven Dispositionen des Sammelns nachgereicht werden. Problematisch wird dies immer dort, wo die posteriori formulierten subjektiven Intentionen wenig mit den tatsächlichen Motiven des Sammelns zu tun haben. Wenn sie die Projektionen einer Öffentlichkeit bedienen, die mehr Neugier auf Sammler-Diners oder Privat-Openings hat als auf die eigentlichen Intentionen des oder der SammlerIn, die sie auf derlei Veranstaltungen führen.


Neben allen ja noch vorhandenen objektiven Kriterien des Sammelns, begründet sich Sammeln im Paradigma radikaler Subjektivität durch etwas, was früher unzureichend mit dem Begriff des Bauchgefühls beschrieben wurde. Hierfür möchte diese Ausstellung den Begriff Lori-Liebermann-Effekt vorschlagen: Nicht der Betrachter blickt auf ein Bild und erkennt es als Kunst, sondern das Bild (die Plastik, das Video, die Performance…) blickt auf den Betrachter und versetzt ihn in eine Situation des Erkanntwerdens.


So wird die bildgewordene Defäkation in Bjarne Melgaards ‚Aerosol’ jenseits von Kategorien wie ‚provokativ‘ zuallererst zur primärsten Form von Produktion und Ausdruck im Babyalter. Der Choc, als der das Bild gelesen werden mag, wird sichtbar als Ergebnis einer Sauberkeitserziehung, der sich Melgaard exemplarisch für viele MalerInnen seiner Generation entzieht. Sein Zurückgehen hinter die erste Begegnung mit dem Lacan’schen ‚A’ als strukturierendem großen Anderen ermöglicht, den Fleck als Fläche und Farbe zu erkennen, ungeachtet der Frage, welches Malmittel und welcher Malgrund dafür gewählt wurde. Radikal ist nicht das Motiv der Defäkation selbst, sondern das sich Entziehen vor jeglichem Appell von Sauberkeitserziehung. Radikal ist das Beharren darauf, dass ein Fleck das Potenzial in sich trägt, als ein Produkt aus Fläche und Farbe erkannt zu werden, wenn die Bereitschaft dazu vorhanden ist, nicht als Betrachter das Bild zu sehen, sondern sich vom Bild anblicken zu lassen.


Diese Blickumkehr bewirkt, dass sich Bilder buchstäblich im Betrachter inkorporieren. Der Erwerb eines Bildes durch den Sammler vermag diese Inkorporation nur noch unzureichend zu exekutieren, denn selbst der Kauf bewahrt den Sammler nicht davor, sich dem erworbenen Bild unterwerfen zu müssen.


Der These vom personenförmigen Kunstwerk folgend, sammelt der Sammler nicht länger Kunstwerke sondern KünstlerInnen. Ihnen gilt seine Faszination und sein Interesse. Und anders als das einzelne Werk, dessen materieller Erwerb zum symbolischer Akt wird, kann und will er den Künstler selbst nicht besitzen. Der Sammler hat vielleicht ein Bild, der Künstler hingehen hat einen Sammler. Dieses In-Beziehung-Setzen zum Künstler geht immer damit einher, zu ‚seinem’ Sammler zu werden und sich der Transformation durch seine Werke zu unterwerfen.

Kai Hoelzner

Die Ausstellung erstreckt sich über den Salon Dahlmann und das angrenzende private Appartment.
 

Poster Killing web 13 01 18

CONCIERGE RAUM

20.01. - 24.03.2018
täglich 16 - 20 Uhr

 

HIBA ALANSARI
PROJECT 2012

Hiba Ansari

 

To: Ali Alansari
Made by: Hiba Alansari
Work items: bunk bed of iron, crystal, cut ceramic printed directly from the jaws of teeth
 
 
I chewed the ceramic paste with my teeth, then I burned them. More than two thousand pieces of ceramic withstand my teeth print.
I repeated my teeth pressure for thousand times on the ceramic paste, this iteration simulates the relation between life and death.
 
The bed embodies the features of my first shock when my brother died. A high bed looks like a coffin being held on the shoulders. Perhaps unconsciously, I am creating a corps from the ceramic pieces who carry my teeth prints.
 
The bed who stands on small wheels looks like death – something not fixed in my memory, haunting me when it changes its location and forming my life each time it passes.

 

 

Hiba Al Ansari, Syrian born in 1983, lives and works between Munich and Berlin. Hiba attended Adham Ismail and Walid Ezzat Institutes of Fine Arts Damascus (2005-2008), Sculpture and Painting Department, and later attended the Academy of Fine Arts in Damascus where she specialised in Oil paintings (2007-2012). In 2017, she received a Master of Fine Arts, Sculpture Department, at the Academy of Fine Arts in Munich. Hiba exhibited widely in the Middle East and Europe where she participated in various group exhibitions. She had her first solo exhibition “Despots of presence” during Expo in Munich (2015) and participated at the group exhibition “Syria off frame” at Biennale di Venezia (2015).