Salon Dahlmann

  

 

L-G NORDSTRÖM

kuratiert von Timo Niemeyer

 

Images: Nick Ash

 

Öffnungszeiten: bis 30.06.2019, Dienstag - Freitag, 10:00 - 16:00 Uhr, Samstag 12:00 - 18:00 Uhr

Temporary Showroom, Marburger Straße 3

 

The Miettinen Collection in Kooperation mit ARTEK, Lars-Gunnar Nordström Foundation, Helsinki und Kunstkontor Basel

 

Ein nordischer Pionier der Moderne

Mit der Ausstellung der Werke von Lars-Gunnar Nordström (1924-2014), bei dem es sich um einen der wichtigsten und einflussreichsten Repräsentanten der finnischen Moderne und nordischen Avantgarde handelt, zeigt die Miettinen Collection zum ersten Mal Auszüge seines Oeuvres in Deutschland.

Klare Linien und Funktionalität verschafften der Gestaltung und Architektur aus Finnland im Laufe des 20. Jahrhunderts auf der ganzen Welt große Bekanntheit. Doch im Gegensatz zum Design von Protagonisten wie Alvar Aalto oder Tapio Wirkkala fristet die finnische Konkrete Kunst bis heute einen Dornröschenschlaf und ist international betrachtet nur bei wenigen passionierten Sammlern ungegenständlicher Kunst bekannt. Einer der Pioniere und wichtigsten Repräsentanten der nordischen Avantgarden und der Konkreten Kunst in Finnland ist zweifelsohne Lars-Gunnar Nordström. Sein unverkennbarer Stil und die kompromisslose wie geradlinige Gestaltungstreue küren sein Oeuvre in besonderem Maße - in ästhetischen wie handwerklichen Aspekten kann es sich mit Sicherheit mit den großen mitteleuropäischen oder lateinamerikanischen Konkreten messen. Die Kernidee der Konkreten Kunstbewegung, die sich in den späten 1920er Jahren in Mitteleuropa manifestierte, beschrieb Max Bill, einer ihrer Gründungsväter, folgendermaßen: „Konkrete Kunst nennen wir diejenigen Kunstwerke, die auf Grund ihrer ureigenen Mittel und Gesetzmäßigkeiten ohne äußerliche Anlehnung an die Naturerscheinung, also nicht durch Abstraktion, entstanden sind.“ Die künstlerischen Mittel der Konkreten Kunst sind daher auf „Linien und Flächen, Farbe und Licht, Volumen und Masse, Struktur und Komposition“ reduziert (aus dem Manifest Art Concret aus dem Jahr 1930).

Kuratiert wird ‚L-G Nordström’ von Kunsthistoriker Timo Niemeyer vom Kunstkontor Basel/Schweiz. Die Gestaltung der Ausstellung in der Marburger Straße 3 in Berlin-Charlottenburg ist eine Hommage an die ersten Ausstellungen von Lars-Gunnar Nordström in der legendären Galerie Artek im Helsinki der 1950er Jahre. Sie umfasst Gemälde und Druckgrafiken aus der Sammlung von Timo Miettinen und der Stiftung L-G Nordström (Helsinki). Die Räumlichkeiten sind mit originalen Möbelklassikern von Artek aus den 1930er bis 1970er Jahren ausgestattet, die allesamt aus der Hand des finnischen Architekten Alvar Aalto stammen (mit freundlicher Unterstützung durch Vitra/Artek 2nd Cycle Helsinki). Das finnische Design-Unternehmen Artek (heute Bestandteil der Vitra Familie) ist beispielgebend für Finnlands architektonische, gestalterische wie künstlerische Moderne - die gleichnamige Galerie in Helsinki war bis in die 1990er Jahre eine Brutstätte der Moderne und Sprungbrett für die Karrieren sämtlicher finnischer Avantgarde Künstler.

Zum Verkauf stehen einzelne Werke der Stiftung, Druckgrafiken sowie die Möbeldesign-Klassiker von Alvar Aalto und der Firma Artek. Ein Katalog zur Ausstellung wird im Rahmen des Berlin Gallery Weekend Ende April vorgestellt.

 

EMANUEL SEITZ

 

 

Images: Nick Ash

 

Öffnungszeiten: bis 30.06.2019, Samstag 12:00 - 18:00 Uhr und auf Anfrage über Robert Grunenberg Berlin

Temporary Showroom und Private Atelierwohnung, Marburger Straße 3

 

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich mit dem Werk von Emanuel Seitz auseinanderzusetzen. Beginnen könnte man beim schwarzen Quadrat auf weißem Grund, und die geometrischen Anordnungen mit dem Erbe des Konstruktivismus in Verbindung bringen. Man könnte dem Künstler mathematische Korrektheit und analytische Vorgehensweise unterstellen bei seinem Befassen mit Quadraten, Vielecken und wie Bauklötze aufgestapelten geometrischen Formen.

Figuratives möchte man herauslesen: sind es Skulpturen, die an jene Brancusis erinnern? Eigenwillige Verkettungen von Formen, die folkloristische Anklänge heraufbeschwören? Ist es ein Schnittmuster, ein gewebter Teppich, der hinter vielen Schichten etwas gefangen hält? Hat man es mit Abstraktion zu tun oder darf man Figürliches benennen?

Man könnte sich auf sich auf die Farb-Fährte begeben: Seitz als Alchemist bezeichnen. Er experimentiert mit Pigmenten, mischt natürliche und synthetische Farben und testet deren chemische Reaktionen aus. Seine Farbpalette ist methodisch und persönlich: Er findet seine Farben – jede ist eigens komponiert, um die Bilder so „intensiv wie möglich“ zu gestalten. Hier öffnet sich die interpretatorische Tür zur Konzeptkunst, eine weitere Eventualität, die nicht auszuschließen ist.

Begibt man sich auf die kunsthistorische Spurensuche in Seitz‘ Vergangenheit – im übrigen ist er ein Schüler von Günther Förg - und arbeitet sein Werk auf, so überrascht der Fakt, dass die Arbeiten der frühen 2000er Jahre impressionistische Züge aufweisen. Wolkenformationen, Bergzüge oder ähnliche atmosphärische Naturschauspiele laden dazu ein, sich zu verlieren. Seitz selbst bekundet sein Interesse an Romantikern wie dem zeitlebens erfolglosen Hercules Seghers, der später etwa Rembrandt inspirierte. Diese historisch anmutenden Bilder lösten sich mit den Jahren jäh auf, bis sie sich zu schwarz reduzieren – oder maximieren, wie immer man es benennen mag. Aus dem Schwarz formt es sich heraus: farbiges geometrisches Treiben auf der Leinwand, mitunter begleitet von kleinformatigen Papierarbeiten, die man durchaus als Studien bezeichnen kann. Form- und Farblabyrinthe verwirren sich, um Neues preiszugeben, vor dem man heute schließlich zum Stehen kommt.

Einen dieser interpretatorischen Ansätze oder mehrere zugleich könnte man wählen, denn der Künstler selbst hält sich mit Kommentaren zu seiner Arbeit stets bedeckt. Geht es nach Seitz, wäre, um mehr über seine Malerei zu erfahren, wohl der beste Weg, sich einfach aufmerksam darauf einzulassen. Sich vor jedes einzelne Bild zu stellen und zu warten, was es mit einem macht. Die Formen und Farben prägen sich ein. Schaut man lange genug hin, trägt man sie bisweilen eine Zeit lang auf der Netzhaut mit und kann sie für sich als Abbild auf die weiße Wand projizieren.

Ist es Farbe, Form, Anordnung oder Technik? – Emanuel Seitz‘ Arbeiten sind offen, in jeder Hinsicht mit dem Betrachter in Kommunikation zu treten.

(Text: Margit Emesz)